Doch keine Überlichtgeschwindigkeit? Neutrino-Rebell widerspricht Ergebnissen des CERN und will notfalls seine Unterhose aufessen

Die erfolgreiche Wiederholung des Neutrinoexperiments am CERN führt internationale Physiker in eine tiefe Krise. Während die einen von einer Sensation sprechen, halten die anderen den angeblichen Nachweis überlichtschneller Teilchen schlicht für Unfug. Zu letzteren gehört auch Prof. Jim Al-Khalili, ein in Großbritannien auch als Buchautor und Rundfunksprecher bekannter Wissenschaftler mit irakischen Wurzeln. Das Überraschende: Al-Khalili gehört keineswegs zu der Garde von Physikern, die vehement altes Lehrbuchwissen verteidigen. Vielmehr hat der Neutrino-Rebell in einem seiner populärwissenschaftlichen Bücher bereits über Wurmlöcher im All und die Möglichkeiten von Zeitreisen spekuliert.

Eine Verletzung der Relativitätstheorie will Al-Khalili indessen nicht hinnehmen. So hatte eine Wiederholung des vor rund sieben Wochen veröffentlichten Experiments, bei dem vom CERN bei Genf Neutrinos auf eine 730 km lange Reise zu einem Detektor in den italienischen Abruzzen geschickt wurden, erneut eine zwar geringfügige aber nachweisbare Überschreitung der Lichtgeschwindigkeit von 0.025 Promille ergeben. Während einige Physiker die Relativitätstheorie für zumindest ergänzungsbedürftig halten, gehen andere davon aus, dass die Teilchen eine Abkürzung durch eine höhere Raumdimension nahmen, was der String-Theorie des Universums zusätzlichen Auftrieb geben würde.

Bereits vor drei Jahren hatte das CERN in einem anderen Experiment für Schlagzeilen gesorgt. Ein Physikerteam unter der Leitung von Professor Nicolas Gisin konnte im August 2008 erstmals die Geschwindigkeit des Informationsaustausches zweier miteinander verschränkter Teilchen messen. In einer komplizierten Berechnung kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Ausbreitungsgeschwindigkeit der bereits von Albert Einstein vorhergesagten spukhaften Fernwirkung mindestens 100.000mal größer sein muss als die Lichtgeschwindigkeit. Das verblüffende Ergebnis wurde später von dem Quantenphysiker Dr. Terence Graham Rudolph vom Londoner Imperial College wie folgt kommentiert: „Das Ergebnis zeigt, dass in der Quantenmechanik das in unserer Vorstellungskraft herrschende Raum-Zeit-Gefüge überschritten wird.” Mit anderen Worten: Die Konsequenzen des Versuches könnten die Fugen unseres Weltbildes nicht minder dramatisch erschüttern, wie zur Zeit der kopernikanischen Wende. So wird bereits darüber spekuliert, dass das Verschränkungsprinzip der Quantenphysik eine Pionierbrücke zwischen der Wissenschaft und der Spiritualität schlagen könnte.

Ob Al-Khalili seine Wette gewinnt oder verliert, werden wir erst Mitte nächsten Jahres erfahren. So lange dauert es nämlich, bis das Ergebnis einer unabhängigen Überprüfung des Experiments am Fermilab in Chicago vorliegt. Sollten die Messungen aus Genf von den US-Wissenschaftlern bestätigt werden, heißt es für Al-Khalili „es ist angerichtet.“
Rolf Froböse

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