AGF-Roadshow 2015: Weichenstellung für die Zukunft

Neue Grundgesamtheit ab 2016,
umfangreiche Tests zu innovativen Messmethoden und die methodische
Weichenstellung für den neuen Bewegtbildstandard – bei der
Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) laufen derzeit viele
Projekte auf Hochtouren, die entscheidende Grundlagen für die
Weiterentwicklung des Forschungssystems legen und gleichzeitig die
hohe Qualität in der notwendigen Kontinuität sicherstellen. Im Rahmen
der diesjährigen AGF-Roadshow informierten Dr. Bernhard Engel
(Sprecher der Technischen Kommission), Guido Modenbach (Technische
Kommission) und Robert Schäffner (Technische Kommission) vergangene
Woche über 200 Teilnehmer der Marktpartner aus Agenturen,
Lizenzsendern, Marktforschungsinstituten, sonstigen Vertragspartnern
und den Gesellschafterunternehmen über die zahlreichen Aktivitäten.
„Die Taktzahl ist gerade sehr, sehr hoch und viele unserer aktuellen
Projekte sind von grundlegender Bedeutung für die künftige
Ausrichtung unseres Forschungssystems, für den Markt aber derzeit
noch nicht sichtbar“, erklärte TK-Sprecher Dr. Bernhard Engel.

Lineares Fernsehen: Messung mit hoher Präzision

Im TV-Forschungssystem steht mit der Anpassung der Grundgesamtheit
zum 01.01.2016 auf den Standard der Media-Analyse eine wichtige
Umstellung bevor. So werden für das AGF-Fernsehforschungspanel
künftig auch deutschsprachige Nicht-EU-Bürger und
Internet-only-Haushalte miteinbezogen. Damit repräsentiert die
Stichprobe des Fernsehforschungssystems die deutschsprechende
Bevölkerung in privaten Haushalten mit mindestens einem TV-Gerät oder
mit Internetnutzung. Für die Quotenmessung werden also künftig alle
Zuschauer erfasst, die in Deutschland leben und Deutsch sprechen,
unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit.

Im Bereich der technischen Messung hat die AGF vom Schweizer
Institut cnlab die Treffsicherheit des Audiomatching-Verfahrens in
umfangreichen Testreihen experimentell prüfen lassen. Audiomatching
wird seit drei Jahren u.a. bei IPTV-Geräten eingesetzt und ist für
die Panel-Teilnehmer sehr einfach zu bedienen. Das Ergebnis der
Tests: Ein eigenständiges Signal wird in 90 Prozent oder mehr der
Testfälle ohne weitere Regeln sofort durch das Matching erkannt, was
für Content und Werbung gleichermaßen gilt. „Über den zusätzlichen
Einsatz eines intelligenten Regelwerks erreichen wir eine absolut
sichere Zuordnung des Contents zu Sendern“, fasste TK-Sprecher Dr.
Bernhard Engel das Ergebnis zusammen. Und: „Als technologie- und
anbieterunabhängige Messlösung ist Audiomatching eine technisch und
strategisch für die AGF zentrale Komponente, um den gesamten
Bewegtbildmarkt in Deutschland abzubilden.“

Reale Abbildung der TV-Nutzung in jüngeren Zielgruppen

Über eine gezielte Qualitätssicherungsmaßnahme konnte die
Messlücke bei jungen Zielgruppen und Ein-Personen-Haushalten weiter
geschlossen werden. Im vergangenen Jahr hatte sich im Rahmen des
Externen Coincidental Checks gezeigt, dass vor allem bei jungen und
allein lebenden Panel-Teilnehmern größere Diskrepanzen zwischen der
angemeldeten und damit gemessenen sowie der tatsächlichen
Fernsehnutzung bestehen können. Bei den 14- bis 29-Jährigen betrug
dieser Unterschied fast 15 Prozent. Diese Messlücke dokumentierte
sich vor allem in sinkenden Nettoreichweiten in diesen
Zielgruppensegmenten.

Daraufhin hat die AGF zwei Maßnahmen eingeleitet: In den
Panelhaushalten wird seither gezielt dafür geworben, alle vorhandenen
TV-Geräte mit Messtechnik auszustatten und damit in das Panel
miteinzubeziehen. Da dies nicht bei allen Nebengeräten gelingt, wird
nun über ein Imputationsverfahren die Messlücke methodisch
ausgeglichen. Das Ergebnis: Gerade bei jüngeren Männern (20 bis 29
Jahre) zeigen sich deutliche positive Effekte in der Nettoreichweite
von rund sechs Prozent. „Nach einem Jahr können wir nun konstatieren,
dass es uns gelungen ist, das Problem der Nichtanmeldungen zunächst
für Ein-Personen-Haushalte in den Griff zu bekommen und die
Reichweiten wieder stärker der realen Nutzung anzupassen“, erklärte
Guido Modenbach, Mitglied der Technischen Kommission der AGF. „Gerade
für die Werbewirtschaft ist dies eine wichtige Maßnahme für die
realitätsgenaue Abbildung ihrer Kampagnenergebnisse.“

Streaming: PIN-Daten nach TV-Standard für Bewegtbild

Große Anstrengungen unternimmt die AGF in diesen Wochen auch auf
dem Weg zum gemeinsamen Standard für Bewegtbild TV & Online. Mit der
erfolgreichen Entwicklung eines aufwendigen Kalibrierungsverfahren
konnte die Arbeitsgemeinschaft die grundlegenden methodischen
Voraussetzungen für die crossmedialen Bewegtbildreichweiten legen.
Über die Kalibrierung werden die Nutzungsniveaus aus der
Zensusmessung (Vollerhebung der Videoabrufe) an das des Online-Panels
angepasst. Das Ziel ist die Generierung von PIN-Datensätzen für
Streaming, die in ihrer Qualität denen des TV-Systems entsprechen.
Diese Daten sind einer der Pfeiler der angestrebten
Gesamtbewegtbildreichweite. Sie sollen dem Markt schließlich in den
Auswertungs- und Planungssystemen der AGF (TV Scope, Plan TV, TV
Control) zur Verfügung gestellt werden und damit auch weiterhin als
wichtige Referenztools dienen. „Mit der Kalibrierung haben wir eine
der wichtigsten methodischen Hürden genommen, denn über die PIN-Daten
ist es möglich, Netto-Reichweiten zu erstellen sowie Zielgruppen und
Affinitäten zu bilden“, so Robert Schäffner, der im Fachreferat
Messtechnik die Entwicklung begleitet. „Das harmonisierte System wird
nun sukzessive ausgebaut und automatisiert, um über einen
einheitlichen Datenstamm die nächste Stufe zu zünden – die Fusion mit
den linearen TV-Daten.“

Zur AGF (www.agf.de)

Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) setzt in
Deutschland den Standard in der Bewegtbildforschung. Als
Gesellschafter verantworten und finanzieren die Sendergruppen ARD,
ProSiebenSat.1, Mediengruppe RTL Deutschland sowie ZDF die
kontinuierliche Messung der Nutzung von Bewegtbildinhalten auf
unterschiedlichsten Endgeräten. Im Rahmen des Joint Industry
Committees (JIC) entwickeln die Gesellschafter der AGF im Konsens mit
den Marktpartnern aus werbetreibender Industrie und Mediaagenturen
ihr Forschungsinstrumentarium kontinuierlich weiter. So können dem
Markt – auch unter Einbindung von Lizenzsendern – Leistungswerte als
anerkannter Marktstandard zur Verfügung gestellt werden.

Pressekontakt:
Anke Weber
Leiterin AGF-Geschäftsstelle
Tel. 069 – 95 52 60 0 | Fax: 069 – 95 52 60 60 |
E-Mail: presse@agf.de | www.agf.de

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