Krebsbehandlung: „Eigentumsfrage bei medizinischen Daten klären“, sagt HPI

Um Fortschritte in der Krebsbehandlung zu erzielen, muss dringend
geklärt werden, wem die Patientendaten gehören und wie sie besser für
die Forschung eingesetzt werden können. Das hat der Direktor des
Hasso-Plattner-Instituts, Prof. Christoph Meinel, anlässlich des
Weltkrebstages am 4. Februar gefordert. Die Zusammenführung und
Analyse medizinischer Daten spiele für individualisierte
Krebstherapien eine zentrale Rolle. Der Informatikwissenschaftler
warnte davor, dass Deutschland den Anschluss an wichtige
Entwicklungen in der Medizin verpassen könnte: „Der digitale
Wissensaustausch, für den es bereits Technologien gibt, kommt wegen
fehlender rechtlicher Sicherheit nur unzureichend voran“, sagte
Meinel.

Da die Analyse genetischen Materials immer schneller und
kostengünstiger werde, wachse die Herausforderung für Mediziner,
verfügbare Daten sinnvoll zu verknüpfen und dadurch präzisere
Einblicke zu gewinnen, erklärte Meinel. Am HPI arbeiten
Wissenschaftler mit Gesundheitsexperten zusammen, um die Analyse und
Kombination riesiger Mengen von medizinischer Daten in Echtzeit zu
ermöglichen.

„Für einen Tumorpatienten in Deutschland könnte das bedeuten, dass
Ähnlichkeiten zwischen dem genetischen Fingerabdruck seines Tumors
und weiteren Patienten weltweit identifiziert werden“, erläuterte Dr.
Matthieu-P. Schapranow, Program Manager E-Health am HPI. So könnte
präziser entschiedenen werden, welche individuelle Chemotherapie für
jeden Patienten erfolgsversprechend ist. Das Problem: Die
erforderlichen Daten müssen international über Einrichtungen hinweg
ausgetauscht werden, da schwerwiegende Erkrankungen keine Grenzen
kennen. Heute funktioniert das jedoch oft lediglich im Rahmen von
einzelnen Forschungsprojekten.

Der HPI-Wissenschaftler plädierte dafür, Patienten mehr
Transparenz und Kontrolle über ihre Daten zu gewähren. „Analog zu
einem Organspendeausweis wäre ein Datenspendepass denkbar“, sagte
Schapranow. So könnten Patienten den Zugriff auf ihre
krankheitsrelevanten Daten, z.B. Tumor- und Labordaten, für
ausgewählte Forschungszwecke selbst verwalten. In diesem Fall würden
sie vorher nach ihrer Einwilligung gefragt – etwa per App auf dem
Smartphone.

Die Anonymisierung der Daten spiele eine entscheidende Rolle für
die Akzeptanz solcher Vorhaben. Hier sei es wichtig, dass eine
Anfrage in einer Datenbank niemals Rückschlüsse auf eine bestimmte
Einzelperson oder eine kleine Personengruppe zulasse. „Die Klärung
dieser Fragen ist komplex, aber unumgänglich, um Patienten Zugang zur
bestmöglichen Behandlung auf die individuellen Diagnose zu
ermöglichen“, so Schapranow.

Die Medizin-Themen des HPI auf der CeBIT 2016

Die Online-Plattform Analyze Genomes können sich interessierte
Besucher der CeBIT 2016 in Halle 6, Stand D18 live anschauen. Daneben
wird das Forschungsprojekt SAHRA („Smart Analysis – Health Research
Access“) präsentiert, wie große Mengen permanent anfallender
Gesundheitsdaten aus der Patientenversorgung in Echtzeit ausgewertet
werden können. Bislang ist es im deutschen Gesundheitswesen so, dass
zwar sehr viele Informationen erfasst, aber bisher nur unzureichend
genutzt werden. SAHRA demonstriert: Behandlungs-, Abrechnungs-,
Studien- und Registerdaten, die zum Schutz der Privatsphäre
anonymisiert sind, können kombiniert und für die Versorgungsforschung
und die dazu ermächtigten Leistungserbringer zugänglich gemacht
werden. An seinem Stand zeigt das HPI außerdem ein IT-System, das
Risikofaktoren für Herzschwäche erfasst und ganzheitlich bewertet.
Die Besucher können erleben, dass die Integration und interaktive
Auswertung entsprechender Daten in einer Internet-Plattform dazu
führt, dass Klinik-Ärzte individuelle Behandlungsentscheidungen
schneller treffen und breiter abstützen können.

Hinweis für Redaktionen: Videos zur Analyze-Genome-Plattform des
HPI (we.analyzegenomes.com) finden Sie hier
https://www.youtube.com/watch?v=r-QGqQ2wfqc und hier
http://ots.de/FEQEH

Alle Vorträge eines HPI-/Leopoldina-Symposiums zu Big Data in der
Medizin gibt es außerdem hier:
https://www.tele-task.de/archive/series/overview/1074/

Kurzprofil Hasso-Plattner-Institut

Das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH
(https://hpi.de) in Potsdam ist Deutschlands universitäres
Exzellenz-Zentrum für IT-Systems Engineering. Als einziges
Universitäts-Institut in Deutschland bietet es den Bachelor- und
Master-Studiengang „IT-Systems Engineering“ an – ein besonders
praxisnahes und ingenieurwissenschaftliches Informatik-Studium, das
von derzeit 480 Studenten genutzt wird. Die HPI School of Design
Thinking, Europas erste Innovationsschule für Studenten nach dem
Vorbild der Stanforder d.school, bietet jährlich 240 Plätze für ein
Zusatzstudium an. Insgesamt zwölf HPI-Professoren und über 50 weitere
Gastprofessoren, Lehrbeauftragte und Dozenten sind am Institut tätig.
Es betreibt exzellente universitäre Forschung – in seinen elf
IT-Fachgebieten, aber auch in der HPI Research School für Doktoranden
mit ihren Forschungsaußenstellen in Kapstadt, Haifa und Nanjing.
Schwerpunkt der HPI-Lehre und -Forschung sind die Grundlagen und
Anwendungen großer, hoch komplexer und vernetzter IT-Systeme. Hinzu
kommt das Entwickeln und Erforschen nutzerorientierter Innovationen
für alle Lebensbereiche. Das HPI kommt bei den CHE-Hochschulrankings
stets auf Spitzenplätze.

Pressekontakt HPI:
presse@hpi.de

Hans-Joachim Allgaier, M.A., Pressesprecher, Tel.: 0331 55 09-119,
Mobil: 0179 267 54 66, Mail allgaier@hpi.de

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.